Vorher renovieren oder besser nicht? – Lohnt sich eine Renovierung vor dem Verkauf?

Hütten und Paläste Immobilien, Hartwig Söhren

Vorher renovieren oder besser nicht? Lohnt sich eine Renovierung vor dem Verkauf?

Heike und Ernst H. wohnen seit Ihrer Heirat im eigenen Bungalow. Kontinuierlich haben sie alle notwendigen Reparaturen am Haus durchgeführt, doch in den letzten Jahren fiel es Ernst immer schwerer noch alles selbst zu erledigen. Leider ist die Rente nicht so üppig, dass Sie für alles Fremdfirmen beauftragen können. Daher haben Ernst und Heike auf Verschönerungsmaßnahmen in den letzten 15 Jahren weitgehend verzichtet. Das Bad wurde schon 25 Jahre nicht mehr neu gemacht. Sie sind sehr bescheiden und haben sich gedacht: Für uns reicht das noch, so wie es ist. Doch nun wollen sie ihr Haus verkaufen. Ihre Tochter findet, dass die Räumlichkeiten nicht so aussehen, wie junge Leute sie heute gerne hätten.

Doch lohnt sich eine Renovierung vor dem Verkauf um mehr Geld heraus zu bekommen?

Sie fragen sich: Bekomme ich für ein Haus mit diesem Renovierungsstandard einen angemessenen Preis?

Investieren um mehr heraus zu bekommen?

Eine Immobilie lässt sich immer dann gut verkaufen, wenn Sie einen sauberen und gepflegten Eindruck macht. Ist sie renovierungsbedürftig, neigen Käufer dazu, weitere Schäden oder Probleme zu vermuten. Hinzu kommt, dass Käufer die Renovierungskosten häufig sehr viel höher einschätzen als sie tatsächlich sind.
Die Frage ob sich eine Renovierung lohnt ist also nicht eindeutig mit ja oder nein zu beantworten. Daher hier einige wichtige Anhaltspunkte.

Der Wirtschaftliche Aspekt/die Amortisation:

Zunächst einmal lohnt sich eine Investition generell nur, wenn hinterher mehr als die Investition selbst dabei herauskommt. Das wird Ihnen jeder Unternehmer bestätigen.

Hier kommt es daher auch darauf an, ob der Verkäufer selbst Hand anlegen kann oder ob die Renovierung durch ein teures Fremd-Unternehmen ausgeführt wird.

Bad unrenoviert

 

 

 

 

 

Das Auge isst mit

Andererseits „isst das Auge mit“ und das gilt heute mehr als noch vor 50 Jahren.

Heutige Käufer haben durch Internet und Medien ein anderes Konsumverhalten und eine andere Wahrnehmung. Sie schauen durch eine „Hochglanz-Brille“. Das wirkt sich selbstverständlich auch auf den Immobilienverkauf aus. Alles muss wie aus dem Ei gepellt aussehen, dann verkauft es sich am besten. Viele Käufer drehen auf dem Absatz um, wenn nur ein altes Sofa im Raum steht, welches noch den Muff der 50er Jahre in sich trägt und in beige-grau oder wahlweise in beige-braun daherkommt. Sie können sich dann nicht einmal vorstellen, wie der Raum mit den eigenen Möbeln aussieht. Bei 80% aller Käufer fehlt hier die Vorstellungskraft, sich das Sofa weg zu denken und sich dann vorzustellen, wie man selbst darin wohnen würde.

Homestaging

Diesen Aspekt hat sich die „Homestaging-Branche“ zu Nutze gemacht. „Homestager“ kümmern sich darum, Verkaufsimmobilien so aufzupeppen, dass sie für Käufer interessant werden. Der Trend kommt aus den USA, ist sicherlich effektiv aber auch kostenintensiv. Die wichtigste Botschaft dahinter: Wenn eine Immobilie so hergerichtet wird, dass sie bei „Schöner Wohnen“ durchaus konkurrenzfähig wäre, dann ist es genau richtig.  Helle Farben, schöne Möbel und ein modernes Design machen die Immobilie für junge Käuferschichten interessant.

Der Clou: Die Möbel, die dort zur Einrichtung verwendet werden, können von den Käufern bei Bedarf übernommen werden.

Renovieren heißt nicht sanieren

Eine Renovierung ist keine Sanierung. Wer die Wände oder die Fassade nochmal streichen möchte, kann damit „die Falten“ einer Immobilie ein wenig „glätten“ und muss dazu nicht allzu tief in die Tasche greifen.
Von einer Sanierung ist aber eher abzuraten. Ein Badezimmer komplett zu erneuern lohnt sich wohl nur in Ausnahmefällen, z.B. bei einer äußerst hochwertigen Immobilie in einer sehr hochpreisigen Lage. Bei einem solchen Vorhaben ist es dann enorm wichtig, den Geschmack potentieller Käufer zu treffen. Ansonsten wurde viel Geld ausgegeben und dennoch nichts erreicht. Hier hilft es, sich vorher fachlichen Rat einzuholen.
In allen anderen Fällen empfehlen wir im Zweifel, potentiellen Käufern im Kaufpreis entgegen zu kommen und diese die Sanierung des Bades selbst vornehmen zu lassen.

Ausnahme: Exklusive Immobilien mit Schönheitsfehlern

Marion und Herbert F. haben eine äußerst hochpreisige Immobilie mit überwiegend sehr exklusiver Ausstattung. Vom ganzen Haus lassen sich wundervolle Bilder für das Exposé erstellen. Nur von einem Raum nicht…die Küche. Hier waren die Herdplatten nicht mehr in Ordnung, der Griff des Backofens war abgerissen, Schranktüren wurden nur noch notdürftig zusammengehalten durch Klebeband. Warum Marion und Herbert den Raum vernachlässigt haben? Sie wissen es selbst nicht mehr.
Wie hier zu verfahren ist, versteht sich eigentlich von selbst. Wenn für eine hochwertige Immobile ein entsprechender Kaufpreis erzielt werden soll, geht man davon aus, dass die Küche in Ordnung ist. Ansonsten ziehen solche Kleinigkeiten den Kaufpreis gleich um mindestens 10% herunter, obwohl die Küchenrenovierung tatsächlich vielleicht nur 1% kostet.
Bei einer Immobilie ab 500.000,– würde der Kaufpreis bei einer derartig desolaten Küche gleich um mindestens € 50.000 niedriger eingechätzt. Die Küchenreparatur kostet aber vielleicht nur € 2.500,–)

Fazit:  Am besten ist es selbstverständlich die eigene Immobilie ständig zu pflegen und immer dem aktuellen Wohnstandard anzupassen. Sollte dies nicht möglich sein, prüfen Sie die Immobilienpreise in der Umgebung. Bei hohen Immobilien- und Grundstückspreisen lohnt sich ggf. eine Renovierung. Welchen Preis kann ich ohne Renovierung erzielen und welchen vielleicht nach einer Renovierung? Welche Maßnahmen muss ich dafür umsetzen? Hierzu beraten wir Sie gerne.